Abteilung Handball

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde im April 1946 der Arbeitersportler und Handballer Ernst Vinzenz gebeten, den Handballsport in Zeitz wiederzubeleben. Er kam dieser Bitte nach und schuf damit die Voraussetzung für die Bildung einer Handballsparte, die mit der Gründung der heutigen SG Chemie Zeitz im Jahre 1949 vollzogen wurde.
Erster Spartenleiter wurde Spfrd. Werner Döge, der zugleich. auch als Übungsleiter tätig war. Ihm und seinen Nachfolgern Waldemar Weidlich, Kurt Säckel, Werner Hoyer und Hans Hablowetz war es vorbehalten, Frauen-, Männer- und Nachwuchsmannschaften zu bilden und in den Wettkampfbetrieb einzugliedern.

Erste Erfolge ihrer Arbeit zeichneten sich sehr bald ab. 1952 wurden die Männer in Nürnberg Pokalsieger. Platz 2 belegten sie bei den Meisterschaften der Sportvereinigung Chemie.
1953/54 wurden die Frauen Bezirksmeister im Hallenhandball, die Männer stiegen in die Bezirksliga Feldhandball auf und belegten erneut in Nürnberg einen guten 2. Platz.

Sehr erfolgreich waren unsere Mannschaften in der Zeit von 1951-56 bei den DDR-Meisterschaften der Sportvereinigung Chemie. Je einmal wurden die Plätze 1 und 2 belegt, viermal Platz 3.

Von Anfang an wurde auch Wert auf Nachwuchsarbeit gelegt. 1953/54 wurde die weibliche Jugend erstmals Kreismeister im Hallenhandball. Immer offensichtlicher wurde die herausragende Stellung der Frauenmannschaft innerhalb der Abteilung. Ein großer Erfolg war ihr Sieg im Pokalturnier anlässlich des II. Deutschen Turn- und Sportfestes 1956. Es folgten der Aufstieg in die Oberliga und der Höhepunkt in der Geschichte unserer Abteilung, der DDR-Meistertitel in der Saison 1959/60 im Hallenhandball. Trainer dieser erfolgreichen Mannschaft waren die Sportfreunde Ernst Stöckigt mit Betreuer Wilhelm Riemenschneider und Heinz Gerth mit Betreuer Harry Heiner. Herausragende Spielerinnen des DDR-Meisters waren die Nationalspielerin Brigitte Wacker und Erika Quarg.

Leider wurde in den Folgejahren, begründet durch Spieler- und Trainerwechsel, dieses hohe Niveau nicht mehr erreicht. 1961/62 konnte der Abstieg unserer Frauen aus der Oberliga nicht verhindert werden; danach bestimmten sie vor allem auf Bezirksebene das Spielniveau. 1962/63 und 64/65 wurden sie jeweils Bezirksmeister. 1965 waren sie auch international aktiv; unsere Frauen empfingen im Ernst-Thälmann-Stadion die Mannschaft des Polizeisportvereins Wien. 1965/66 gelang nochmals der Aufstieg in die DDR-Liga, in der sie bis 68 spielten. Der Generationswechsel war nicht mehr aufzuhalten. Oberligaerfahrene Spielerinnen wie H. Schumann (Papse), E. Heinold, R. Gröschel, Hanna von Wolfersdorf, Ch. Richartz – um nur einige zu nennen -, die nach wie vor die Stützen der Mannschaft darstellten, waren nicht gleichwertig zu ersetzen.

Die Männermannschaften spielten sowohl im Feld- als auch im Hallenhandball in der gleichen Zeit auf Kreis- und Bezirksebene eine gute Rolle. In den deutsch-deutschen Vergleichskämpfen unserer Männer, die 1957 in Wietzendorf (Lüneburger Heide) und 1961/62 in Hamburg-Haarburg im Großfeldhandball durchgeführt wurden, fand übrigens diese positive Tendenz ihre Bestätigung. Hervorzuheben ist der Aufstieg der Männer in die Hallenhandball-Bezirksliga im Spieljahr 1963/64. Einen hervorragenden Anteil an der Entwicklung des männlichen Sektors hatte Spfrd. Alfred Mauß, der bis Anfang der 90er Jahre insbesondere in der Nachwuchsarbeit außerordentlich aktiv war.

Mit der Abschaffung des Großfeldhandballs und der Konzentration auf Hallenhandball ergaben sich für uns verstärkt Probleme. Das Fehlen einer Sporthalle und die damit verbundene Verpflichtung, alle Punktspiele auf Bezirksebene auswärts auszutragen, waren die wesentlichen Gründe für den Rückgang des Leistungsniveaus Ende der 60er Jahre. 1970 spielte keine Mannschaft mehr in der Bezirksliga. In dieser Zeit war es insbesondere dem Abteilungsleiter Arno Marotz zu verdanken, der übrigens die längste Zeit als Sektionsleiter amtierte (1962-77 und 1986-92), dass über Patenschaftsverträge mit Zeitzer Schulen talentierte Nachwuchssportler gewonnen werden konnten. Vor allem im weiblichen Bereich ging es unter den Übungsleitern Möttig, Heinold (geb. Gerhard) und Marotz sichtbar voran. 1971/72 stiegen die weiblichen Schüler B und 1972/73 die Frauenmannschaft wieder in die Bezirksliga auf. Letztere spielten in dieser Klasse 15 Jahre ohne Unterbrechung.

Bis 1977/78 festigten sich unsere Mannschaften in den Bezirksklassen und Bezirksligen..
Zu einem besonderen Höhepunkt in unserem Sektionsleben entwickelten sich zwischen 1979 und 1987 die internationalen Vergleichskämpfe der Männer mit dem tschechischen Handballverein „Cremona Luby“, die auch zu engen privaten Kontakten führten. Dank der aktiven Arbeit unserer Übungsleiter, von denen unbedingt die Sportfreunde Seidel, Michalsky, Lehmann und Schmid genannt werden müssen, die über viele Jahre tätig waren bzw. noch heute tätig sind, betreuten wir in unserer Sektion seit Anfang der 70er Jahre bis 1990 zwischen 9 und 13 Mannschaften, davon in der Regel 8-10 Nachwuchsmannschaften. Nicht unwesentlich war dabei auch das gute Verhältnis zu einigen Pädagogen, wie Erika Hering, Edda Richter, Ehrhard Röbel, Inge Müller, Helmut Fürtig oder Klaus Thormann, die über die Schulsportgemeinschaften engen Kontakt zu unserer Abteilung hielten und manches Talent zu uns schickten.

Leider brach dieser Kontakt mit der Wende 1990 aus unterschiedlichen Gründen völlig ab. Die Zahl der am Wettspielbetrieb teilnehmenden Mannschaften verringerte sich beständig und erreichte in der Saison 97/98 mit 2 Mannschaften den Tiefstpunkt.

Sehr bedauerlich war 1988 das Zurückziehen der Frauenmannschaft aus dem Spielbetrieb, zumal selbige in der Saison 87/88 den Wiederaufstieg in die Bezirksliga erreichten.
Erfolgreich hatte sich im gleichen Zeitraum die Männermannschaft entwickelt. Sie schafften in der Saison 90/91 mit ihrem Übungsleiter Frieder Lehmann den Aufstieg in die Verbandsliga Süd, der zweithöchsten Spielklasse des Landes Sachsen-Anhalt (vergleichbar mit Bezirksliga). Leider musste die Mannschaft 1992 aus dieser Spielklasse zurückgezogen werden, da 5 Spieler berufsbedingt ausscheiden mussten. Etwa zum gleichen Zeitpunkt wurden im Rahmen der Städtepartnerschaft Detmold-Zeitz Freundschaftsspiele auf ”Alte Herren“-Basis organisiert, die manche Vorurteile beseitigen halfen. Leider endete diese Partnerschaft mit dem TuS Müssen-Billinghausen 1995.

Erfreulicherweise hat sich inzwischen die Situation etwas stabilisiert. Seit 1998 nimmt unter Trainer W. Michalsky wieder eine Frauenmannschaft am Spielbetrieb teil, die 2007 Kreismeister wurde und so den Aufstieg in die Bezirksliga feiern konnte. Grundstein hierfür legte die kontinuierliche Nachwuchsarbeit im weiblichen Bereich, in der sich insbesondere Silke Hielscher und Mario Schmid als Übungsleiter verdient machten.

Das Männerteam um das Trainergespann Torsten Goethel und Jens Wehner schaffte seit 1995 zweimal den Wiederaifstieg in die Bezirksklasse, in welcher sie sich jeweils zwei Jahre halten konnte. Mittlerweile macht sich der fehlende eigene Nachwuchs deutlich bemerkbar, so dass die Mannschaft derzeit in der Kreisklasse ums Überleben kämpft.

Eine weibliche C-Jugend und eine männliche E-Jugend vervollständigen das derzeitige Bild.

Leiter der Abteilung Handball seit Gründung:
1949 – Werner Döge
Waldemar Weidlich
Kurt Säckel
Werner Hoyer
1962 Hans Hablowetz
1962 – 1977 Arno Marotz
1977 – 1986 Heinz Seidel
1986 – 1992 Arno Marotz
1992 – 1993 Volkmar Ginther
Matthias Stolze
1993 – 2003 Frieder Lehmann
ab 2003 Mario Schmid

Übungsleiter der Abteilung
In den Anfängen waren die Sportfreundinnen und Sportfreunde Brigitte Wacker, Inge Müller, Ernst Stöckigt, Hans Hablowetz, Kurt Säckel, Alfred Mauß, Heinz Gerth und Erhardt Röbel als Sportlehrer und Übungsleiter tätig.
Ende der 60er Jahre kamen dann Elfriede Heinold, Heinz Seidel, Arno Marotz, Eberhardt Möttig und später Wolfgang Michalsky, Wolfgang Hanke, Falk Klein, Dieter Stehr, Frieder Lehmann, Karin Voigtsberger , Mario Schmid, Torsten Goethel, Silke Hielscher, Holger Kirsten und Jenny Hielscher dazu.
Nicht zu vergessen ist die engagierte Arbeit der Sportfreundin Ruth Viererbe, die mehr als 20 Jahre als Leitungsmitglied für den Handballsport tätig war.

Anmerkung: Die jetzige Leitung war bestrebt objektiv die Entwicklung der Abteilung darzustellen. Aus der Gegebenheit heraus haben wir auch nur die Personen aufgeführt, die Verantwortung übernommen hatten und haben und die die Entwicklung der Handballabteilung beeinflußt haben. Sollte uns bei den Recherchen der eine oder andere Namen entfallen sein, so bitten wir diese Personen um Entschuldigung.
Wir möchten allen Leitern und Leitungsmitgliedern der Abteilung, Übungsleitern und Betreuern der Mannschaften, sowie Spielerinnen und Spielern, auch allen Personen, die an irgend einer Stelle oder Aufgabe wesentlichen Anteil an der Entwicklung hatten, unseren Dank und die Anerkennung dafür aussprechen, daß sie so manche Entbehrungen und Zeitaufwendungen auf sich genommen haben, zum Wohle der Sportart Handball.